125 Jahre TV 1877 Mannheim-Waldhof e.V.
Die Vereinsgeschichte von 1877 bis heute



 

1877

Im Sommer 1877 gründeten junge Werksangehörige der Spiegelfabrik Waldhof einen Turnverein auf dem freien Platz vor der Fabrik. Auf dem Turnplatz befanden sich ein Barren aus Holz, ein Querbaum, ein großes Klettergerüst und ein Springbock.
Waldhofer Frauen stifteten im gleichen Jahr die erste Vereinsfahne. Da damals auf dem Waldhof kein Saal vorhanden war, war man gezwungen die Hauptfeier in Käfertal ab zu halten. Die Verhältnisse waren während dieser Zeit insgesamt nicht sonderlich gut, trotzdem wurde eifrig der Turnerei gehuldigt und der junge Verein rasch voran gebracht.


1878 bis 1880

Dem Verein gehörten bereits zu Beginn des Jahres 30 Turner, 11 Zöglinge und 27 passive Mitglieder an. Am 8. Februar 1878 feierte man in der Neckarvorstadt seinen ersten Ball.
Im März 1887 wird der TV Waldhof Mitbegründer des Rhein-Neckar-Turngauverbandes und beteiligt sich im Juni mit 33 Mitgliedern am ersten Gauturnfest.
Das Vereinsleben bewegt sich in aufsteigender Linie und das stolze Barvermögen betrug in dieser Zeit 176,65 Mark.


1881 bis 1920

Innerhalb dieser vier Jahrzehnte nahm die Geschichte des TV Waldhof insgesamt einen normalen Verlauf und stand überwiegend im Zeichen günstiger Entwicklungen. Jährlich fanden viele Beteiligungen an Wettturnen, Stiftungsfesten, Fahnenweihen, Turnerfahrten, sowie 1881 die Ausrichtung des 5. Gauturnfestes durch den TV Waldhof statt. 1885 erster Preis als Auszeichnung für vorzügliche Leistungen beim Kreisturnfest in Straßburg (1912 erster Preis beim Kreisturnfest in Freiburg). Weitere Veranstaltungen führten zu Besuchen bei Mannheimer Vereinen sowie nach Weinheim, Lampertheim, Speyer, Neckargemünd, Oggersheim, Eberbach, usw.
Während des Ersten Weltkrieges musste der Turnverein reichlich Tribut zollen, obwohl sich Turnwart Ludwig Boos redlich bemühte den Verein zusammen zu halten. Die in dieser Zeit aufkommenden Pläne zur Erbauung einer Turnhalle mussten immer wieder fallen gelassen werden.


1921 bis 1929

Nach dem Krieg musste trotzdem fast ganz von vorne angefangen werden. Es gab viel Arbeit bei der Beschaffung von Geräten und der Wiederbelebung des Vereinslebens. 1927 wird die Feier anlässlich des 50-jährigen Bestehens mit einem Wettturnen begangen. 1928: Errichtung einer Platzanlage mit Turnhalle (es handelte sich um eine ehemalige Lagerhalle aus dem Mannheimer Industriehafen) auf dem Gelände der Spiegelmanufaktur Waldhof. Die Arbeiten wurden in der Freizeit von Mitgliedern unentgeltlich durchgeführt und bedeuteten den Abschied vom unvergesslichen Turnplatz bei der Spiegelfabrik. 1929 fand verbunden mit einem Vereinsturnen die Einweihung der Platzanlage und der Turnhalle statt.


1930 bis 1959

In den 30er Jahren sorgte der wirtschaftliche Niedergang für einen starken Schwund der Mitglieder. Die hohe Arbeitslosigkeit und den damit verbundenen Rückgang der Beiträge zwangen den Verein fast zur Kapitulation. Um die Einigkeit des TV zu erhalten wurden jedoch sämtliche Veranstaltungen, im Besonderen Kreis- und Gauturnfeste, wie gewohnt durchgeführt.
Während des Dritten Reiches war fast die gesamte Aktivität des Vereins eingezogen und von geregeltem Sport - und Turnbetrieb konnte keine Rede mehr sein. Am 18. November 1943 fiel die Turnhalle einem Fliegerangriff zum Opfer und brannte bis auf die Grundmauern nieder.
Erst am 18. Juni 1949 erfolgte die Wiedergründung des Vereins, nach Jahren, die durch Hunger, Not und Elend geprägt waren. Der Sportbetrieb wurde jedoch erst 1951 unter dem Vorsitzenden Richard Wormer wieder aufgenommen. Er erkannte den Vorteil einer Verbindung zwischen dem Turnen und anderen Sportarten.
Folgende Abteilungen schlossen sich dem Verein an: 1951 Tischtennis, 1954 Spielmannszug, 1955 Handball, 1956 Badminton, 1960 Fußball, 1964 Schwerathletik, 1975 Tennis.
In diese Zeit fällt auch der Bau einer provisorischen Turnhalle mit Umkleideräumen in einer Baracke der Firma Bopp & Reuther. Das gesellschaftliche Leben im Verein näherte sich wieder der einstigen Höhe: Frühjahrsbälle, Bunte Abende, Weihnachtsfeiern und Maskenbälle fanden statt.
 

1960 bis 1977

Unter der Führung von 1. Vorsitzenden Franz Zinke begann 1960 systematisch der Aus- und Aufbau des heutigen Vereins am damaligen Standort hinter der Pauluskirche am Speckweg auf dem Waldhof. Unter großen Schwierigkeiten wurde in zwei Bauabschnitten Umkleidekabinen, Wasch - und Duschräume und Ende 1967 mit dem Bau einer neuen größeren Halle plus einem Anbau begonnen. Die neue Turnhalle mit Nebengebäuden beanspruchte eine Bauzeit von 1 ½ Jahren. Im Bauausschuss saß der heutige TV Vorsitzende Fred Hauser neben Fritz Adelmann (2. Vorsitzender: Jakob Keller). Ausschuss und Vorstand leisteten damals unter besonderer Mithilfe der Abteilungen Schwerathletik und Fußball wahrste Schwerstarbeit.
1971 wurde Manfred Erhardt zum ersten Vorsitzenden gewählt. In den nachfolgenden Jahren wurde die äußere Sportanlage neu angelegt, das Fußballfeld erhielt eine moderne Hartplatzdecke und Platzbeleuchtung und eine neue Leichtathletikanlage wurde gebaut.
1975 finanzierte größtenteils die Tennisabteilung zwei Tennisfelder und später ein eigenes Tennisheim. Die Übungsstunden finden im Turnerheim am Speckweg sowie in Schulen in der näheren Umgebung statt. Folgende Sportarten wurden betrieben: Frauengymnastik, Schüler- und Jugendturnen, Leichtathletik, Jazztanz, Jedermannsturnen, Tischtennis, Badminton, Fußball, Tennis, Schwerathletik.
1977 wird das 100-jährige Vereinsjubiläum gebührend gefeiert. In der Max-Schwall-Halle auf dem Waldhof findet ein großer Festakt mit abwechslungsreichem Rahmenprogramm statt.


1978 bis 1990

Die 80er Jahre standen im Zeichen der totalen Veränderung des TV 1877 Waldhof. Die Firma Daimler-Benz plante einen Teil des Vereinsgeländes für sich zu beanspruchen und zudem entsprachen die bestehenden räumlichen Verhältnisse weder der großen Mitgliederzahl noch modernem Standard.
Ein Handeln, in Richtung einer Erweiterung oder eines Umzugs, war dringlich angesagt, doch ein Lösung leider lange nicht in Sicht. Zur Debatte stand auch, den Turnverein auseinander zu reißen. Risiken und Vorteile sämtlicher Alternativen wurden diskutiert und nach vielen Überlegungen und Gesprächen war sich der Vorstand einig, das alte Gelände am Speckweg aufzugeben. Nun musste ein neuer Standort gefunden werden. In dieser schwierigen Zeit verstarb der 2. Vorsitzende Jakob Keller, der an Erfahrung und Wissen kaum zu ersetzen war.
1989 wird Doris Stoß (seit 1950 im Verein) als 2. Vorsitzende in den Vorstand gewählt. Ihr gelang es, sich in kurzer Zeit hervorragend einzuarbeiten. Mit ihr im Vorstand sitzen Manfred Ehrhardt als Vorsitzender und Fred Hauser als Sportvorsitzender. Sie treiben durch ihr ehrenamtliches Wirken und anstrengenden Verhandlungen mit allen zuständigen Stellen die Planung und Durchführung des Umzuges des TV Waldhof erfolgreich voran. Es war ein steiniger Weg, der aber zuletzt zu dem Erfolg führte, den Verein in eine den heutigen Erfordernissen entsprechende sportliche Zukunft zu führen.
Nach dem Verkauf der alten Sportanlage, sowie Zuschüssen der Stadt Mannheim, des Bundes und der Landesförderung konnte man 1990 den ersten Spatenstich auf der neuen Sportanlage in der Boehringerstraße feiern.


1991 bis 2001

Anfang 1991 war Richtfest; ein Wohngebäude, Restaurant sowie Kegelbahnen entstanden. Inzwischen wurde die dreiteilig angelegte Sporthalle der Stadt Mannheim, die leider bis heute noch keinen Namen trägt, bezogen. Im September desselben Jahres erfolgte die offizielle Einweihung dieses Bauabschnitts.
Danach kam die Tennisabteilung zum Zuge, die sich mit Eigenkapital und vielen Eigenleistungen ihren Wunschtraum erfüllen konnte und 1994 ein eigenes Clubhaus bezog.
Der Umzug in die Boehringerstraße im Stadtteil Mannheim Schönau hat den Verein stark verändert. Mit Aerobic, Kegeln, Boule, Tanzsport, Fitness, Gesundheitssport, Wandern und Rad fahren wurden viele neue Abteilungen gegründet. Es entstand eine moderne Geschäftsstelle, ein großzügiger Kraftraum, eine hervorragende Gaststätte mit Wintergarten und großer Terrasse sowie vier Bundeskegelbahnen.
1999 verstarb Manfred Erhardt, der seit 1971 als erster Vorsitzender amtierte. Er galt als großer Kämpfer für das Wohl des Vereins und ebnete den Weg des TV zum Großverein. Bereits 1996, nach 25jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit, übergab er „seinen Verein“ an Fred Hauser, mit der Überzeugung, dass nur dieser nach seinem Rücktritt die Lücke im Vorstand schließen konnte.
Fred Hauser konnte seine langjährigen Erfahrungen und sein Wissen auf allen Ebenen des Vereinslebens bestens einbringen, da er selbst seit 1964 Mitglied und stets aktiv in verschiedenen ehrenamtlichen Positionen tätig war. So gründete er mit Fritz Adelmann die Abteilung Schwerathletik, war 1974 Gründungsmitglied der Tennisabteilung und übernahm gleichzeitig des Sportvorsitz im Vorstand. Zudem war er sowohl in der alten sowie neuen Sportanlage im Bauausschuss tätig.


2002

Der TV 1877 Mannheim-Waldhof e.V. verfügt über eine der modernsten und schönsten Sportanlagen der Region. Heute betreut der Verein mit rund 50 Übungsleiterinnen und Übungsleitern, vielen Helferinnen und Helfern zwischen 2 300 und 2 600 Mitglieder, davon etwa 950 Kinder und Jugendliche, in 13 Abteilungen.
Die sportlichen Leistungen in den einzelnen Abteilungen sind beachtlich. Allein in sechs Abteilungen wird Leistungssport betrieben. Im Breiten- und Gesundheitssport wird großer Wert auf die Qualität der Angebotsdurchführung gelegt. Der TV ist offen für alle Trendsportarten, jedoch bezahlten Sport gibt es hier nicht. Allen Bevölkerungsschichten und verschiedenen Nationen gibt der Turnverein Waldhof ein Zuhause.
Anlässlich seines 125-jährigen Jubiläums führt der TV Waldhof unter der Schirmherrschaft des Mannheimer Oberbürgermeisters Gerhard Widder verschiedene festliche, sportliche und kulturelle Veranstaltungen durch. Eine Festschrift, die zu Ehren des hohen Jubiläums herausgegeben wird, gibt Zeugnis einer wechselvollen Vereinsgeschichte, auf welche der Traditionsverein und alle seine Mitglieder seit 1877 mit Recht stolz sein darf.